Texte „Zeiten“ (2012)

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Kein Empfang

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Sag, wo warst‘n du die ganze Zeit?
Es wär‘ viel schöner wären wir zu zweit,
ich hab‘ dich überall gesucht, auch auf dem Herrenklo.
Du warst nicht zuhaus‘, ich fand‘ dich nirgendwo.
Hey meld‘ dich mal, was ist denn los mit dir?
Kochst du dein eig’nes Süppchen ist das zwar dein Bier,
doch wir dachten, du bist mit dabei,
sag mal, sind wir dir einerlei?
Mal ehrlich, mal im Ernst, sag, wo warst du so lang?
Ich hatte keinen Empfang.Tut mir leid, ich war nicht da, vielmehr war ich absent,
hinter sieben Bergen hab‘ ich diese Welt verdrängt.
Bei den sieben Zwergen durft‘ ich mal der größte sein,
ich schlief‘, o lala, im fremden Bettchen ein.
Und weil ich zum ersten Mal Schneewittchen sah,
sah ich dass sie zwar hübsch, aber ein Flittchen war,
lässt sich von den Zwergen durchfüttern und dann
nimmt sie auch Obst von fremden Leuten an.
Ich mach dich, wenn du willst bekannt
mit der Schönsten im ganzen Land,
mit der allerschönsten im ganzen Land.Sag, so gern bist du doch nicht allein,
ich kenn‘ dich gar nicht als Kollegenschwein,
verkriech‘ dich nicht in deinen Bau,
du bist doch sonst so ’ne Rampensau.
Hey, was hast du dir dabei gedacht?
Wir hatten doch für heut‘ was ausgemacht,
du lässt mal wieder nichts von dir hör’n,
nur zu, lass dich nicht stör’n.
Hättest du Bock drauf dass ich dich ständig versetz‘?
Ich hatte leider kein Netz.Tut mir leid, ich war nicht da, ich bin nicht aufgewacht,
ich schlummerte in 1000 und einer Nacht.
‚Nen türkisen Turban um meine Stirn,
schenkt‘ ich Alladin ’nen Lampenschirm.
Ich sah den Sultan, seine Tochter und den Großwesir,
ich spielte für die drei auf dem Klavier,
Alibaba und die 40 Räuber fragten mich nach Edmund Stoiber.
Wer‘s bis hierher schafft
sitzt wie ich in Märchenhaft,
ich sitz‘ lebenslänglich in Märchenhaft.Sag mal, nimmst du mich überhaupt noch ernst?
Dass du dich in Gedanken so entfernst,
bist du nicht irgendwie durch den Wind?
Ob das nur die Musenküsse sind?
Ich dachte dass man sich auf dich verlassen kann,
Langsam glaube ich da nicht mehr dran.
Du machst wohl was du willst,
ist dir klar, dass du die Freundschaft killst?
Was ist los? Raus damit, zu schweigen ist nicht fair.
mein Akku war leer.Tut mir leid, ich war nicht da, sondern irgendwie weg,
ich war Kartoffeln schäl’n bei Captain Hook unter Deck.
Ich war da wo ich mich am meisten brauch‘
Seit‘ an Seit‘ mit Peter Pan im Kanonenrauch.
Und Tinkerbell, die kleine leuchtend-fliegende Fee
schäumte mir mit ihrem Stab ‘nen Milchkaffee.
und beim Anblick der Piraten und der Meerjungfrau’n
hätt‘ es mich fast umgehau’n.
Im Nimmerland so jung wie Pan
sang ich wie früher wieder Sopran,
ich sang genau wie früher wieder Sopran.


Wie’n Bus

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Nach Abschluss meines Studiums der klassischen Philologie
widme ich mich übergreifend doch wohlverwandt
einer typischen Frage der Philosophie
so wie viele weitaus weisere Männer vor mir von Sokrates bis Kant.Philosophie fragt nach dem Menschen in der Welt, wozu, warum?
Was ist das ideale Leben, man erklärt es, doch auf welche Art?
So gibt mancher manches Gleichnis zur Veranschaulichung
auf dem Marktplatz, in der Tonne und im Garten, meist mit langem Bart.Der Herren Reden und Ideen sind je nach Ansicht wahr,
doch für mich ist auf der Suche nach der Weisheit sonnenklar:
Auch wenn meine These, geb‘ ich zu, nicht logisch klingen muss:
Das Leben ist, das Leben ist ein bisschen wie ein Bus.Man muss irgendwie erst mal den Einstieg finden,
und hat man den gefunden, sucht man seinen Platz.
Manchmal hat man kein Glück, man kann sich schinden.
Man muss standhaft bleiben, Beschweren ist für die Katz.Ganz weit hinten wird so manchem schlecht,
die Kontrolleure haben meistens Recht.
Irgendeine hübsche Frau ist immer da,
Die Ich-würd-so-gern-mit-ihr-reden-doch-ich-trau-mich-nicht-Gefahr.Aus irgendeinem Grunde sitzen manche leicht erhöht,
nicht immer, aber manchmal sind die auffällig blöd.
Rücken keinen Zentimeter zu aller anderen Verdruss.
Das Leben ist, das Leben ist ein bisschen wie ein Bus.

Man kann jederzeit in ‘nen andren Bus umsteigen,
Wer aufpasst, weiß auch wo und wann er hält.
Wo die neue Linie hinfährt wird sich zeigen,
jeder hat das nötige Kleingeld.

Man übersieht im Idealfall keine alten Damen,
keine Sonn- und Feiertagsfahrplanausnahmen.
Wird es dunkel, ist man manchmal fast allein,
alle steigen aus und niemand ein.

Kinder bescheren allen mehr oder minder Spaß,
es kommt keine Langeweile auf, und der Busfahrer gibt Gas.
Für die einen ‘ne Qual, für andre purer Genuss.
Das Leben ist, das Leben ist ein bisschen wie ein Bus.

Keiner kriegt den Mund auf, und die, die reden, reden Stuss.
Man kann nicht einfach raus, wenn man mal muss.
Alle stecken unter einer Decke,
jeder Bus bringt jeden um die Ecke.

Man sieht den Menschen an, dass sie von andren Bussen träumen,
manchmal muss man schweren Herzens seinen Fensterplatz räumen.
Klingt komisch, doch im Bus sitzen alle in einem Boot,
es herrschen Zucht und Ordnung und Rauchverbot.

Man kann während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen,
manche tun es doch, auch wenn andre sie belächeln,
kriegen kaum Antwort, doch vertrauen gehört zu werden bis zum Schluss.
Das Leben ist, das Leben ist ein bisschen wie ein Bus.


Lied für meine Professoren

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Das ist ein kleines Lied für meine Professoren,
heut‘ ausnahmsweise liege ich euren Ohren.
Heut‘ drehe ich den Spieß einfach mal um,
für mich ist das eine Pflichtlehrveranstaltung.
Eine kleine Exkursion – ein Lied mit Text und Ton.
Ohne Powerpoint und Diaprojektoren,
das ist ein Lied für meine, für meine Professoren.Das ist ein kleines Lied für meine Professoren,
ich sitz‘ bei euch eher hinten als weit vorn.
Ich bin der, der sich was zum Schreiben ausleih’n muss
motiviert meist nur durch einen Musenkuss.
Ich bin der, der die Frist versäumt und während des Vortrags träumt,
und sich fragt, was hab‘ ich hier, was hab‘ ich hier verloren?
Das ist ein Lied für meine, für meine Professoren.Das ist ein kleines Lied für meine Professoren,
entschuldigt mein gelegentliches Nasebohren.
Ich wollt‘ euch sagen, was ich außer Studium noch so tu‘.
Nur noch drei Strophen, dann lass‘ ich euch wieder in Ruh.
Für mich das größte auf der Welt, ist wenn man sich vor Leute stellt,
und dann singt, vielleicht stößt man auf off‘ne Ohren.
Das ist ein Lied für meine, für meine Professoren.Das ist ein kleines Lied für meine Professoren,
ihr ratet: wirf‘ die Studiums-Flinte nicht ins Korn.
Warum ich überhaupt studier‘ – tja, ich mag Kinder.
Ich wär‘ gern Lehrer, doch lieber noch: Lieder-Erfinder.
Hab‘ ich mein Examen in der Tasche ist Schluss mit dieser Masche.
Von fern klingt monoton das Summen der Motoren.
Das war ein Lied für meine, für meine Professoren.Das war ein kleines Lied für meine Professoren,
danke an euch, an Fachschaft, HiWi’s und Tutoren.
Was ich bei euch so lernte, war mir nicht einerlei.
Doch mit Herzblut war ich leider nicht dabei,
denn auf jeder Bühne eurer Wahl ist mir wohler als im Hörsaal
als in der Bibliothek und auf Diskussionsforen.
Das ist ein Lied für meine, für meine Professoren.Und bin ich mal unter den Absolventen
– das ist ein Lied für die Dozenten –
werd‘ ich auf nichts, nichts and’res sinnen
– ein Lied für die Sekretärinnen –
als die nächsten 100 Jahre
– ein Lied für die Bibliothekare
endlich nur noch Musik zu machen,
denn für die wurd‘ ich geboren.
Das war ein kleines Lied für meine Professoren.


1265

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Ecke Rempart- und Werthmannstraße raus aus der Mensa, den Asphalt rüber, quer
über den Pflastersteinplatz, durchs Portal zwischen Aristoteles und Homer.
Im Erdgeschoss schlender’ ich durch die Akustik, die ernsten Steintreppen hinauf.
Kein Espresso, und schon gar nicht Aussicht auf den trüben Tag muntern mich auf.
Doch gibt es Lichtblicke auf dem kühlen Weg zurück in die taubstumme Bibliothek.
Denn ich gelang im 2. Stock dann zu der Erkenntnis, es ist wahr, ja tatsächlich:Die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.Die erste Ziffer, die eins, steht für KG 1, und KG für Kollegiengebäude.
die zweite, die zwei: zweiter Stock, wo ich hock’ rein zufällig zu meiner Freude.
Ich stehe am Schließfach, gleich in der Nähe, und frag mich, was passiert da drin so?
ein Ästhetik-Kolloquium, ne Charismavorlesung, ein Hauptseminar Bauch-Beine-Po?
Die Professoren da drin, ich bin sicher, ihr fändet
sie nur mit Sonnenbrille, weil Schönheit doch blendet.
und ist der Gang leer, ja trotzdem ist er ein hübscher Fleck, denn echte Schönheit vergeht nich’.Die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.
Die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.
1265, ein Traum von einem Raum.
Die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.Ich suchte mein Glück lange auf den Tanzflächen, zahlt’ für Eintritt und manchen Pegel
doch fand ich es nie beim tanzen und zechen (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Doch viel zu oft ging das grelle Licht schon an, in der Disco, früh um 5 oder 4
und ich merk’ mit ‘nem Piepsen in meinen Ohren, die Teenituss’ will eh nichts von mir.
Voll verschwitzt, müde, und total K.O. keinen Cent mehr in der Tasche, was für‘n Griff ins Klo!
Machst du, Junge, grad Abitur, bist im Moment Single nur
glaub mir, nicht an die Uni geh’n rächt sich:Denn die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.
1265, ein Traum von einem Raum.
1265, ein Traum-Frau’n-Raum.
Die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.

Lang nach Mitternacht ging ich mondlos nach Hause allein durch den dumm dunklen Park,
da kommen drei Arnolds, wollen ’ne Sause. Ach, wünscht’ ich es wär’ heller Tag.
Die Schattengestalten drehen am Rädchen voll mit Bier und Testosteron.
Fragen: „Hey du, sag mal, wo gibt’s denn hier Mädchen?“ Fangen an, mir Prügel anzudroh’n.
Die drei suchen Streit, ich frag: „Woll’n wir nicht kicken?“
Doch sie brauchen mich als Opfer, und Frauen zum Vorzeigebunny spielen.
Hey ich check’ hier die Chicas, sag, wo gibt’s Mammasitas?
Und tief aus dem Schwitzkasten ächz’ ich:

Die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.
1265, the best club in town!
1265, bitte nicht mehr hau’n, ja, wiederschaun!
Die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.

Manchmal schlaf ich über meinen Büchern ein und träum‘, Heidi Klum, die Barbiepuppe
Triebe nicht ihr Unwesen auf Millionenbildschirmen und wär‘ allen Teenagern Schnuppe.
Und sie und diese Entertainmentindustrie sorgten nicht nur für leere Versprechen
Sondern für volle Bäuche statt Anorexie, statt tränengeilem Privatfernsehverbrechen.

Gut gebaut, nicht zerbrechlich wie ein Vase behielten die Mädchen Stolz, Würde und Nase.
Ich träum‘ die Quoten in den Keller, und die Kindsköpfe heller und Heidi immatrikuliert sich.

Denn die schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265,
1265 ein Traum von einem Raum.
1265 ein Taumfrau‘nraum
Die Schönsten Frau’n steh’n vor Raum 1265.


Die Farben der Liebe

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Grün wird man vor Neid, grün ist man hinter den Ohr’n,
grün ist Atomausstieg, die Hoffnung und der Mut.
Bei ‘ner roten Karte, ‘ner roten Ampel wird man rot vor Zorn,
rot ist die Clownsnase, rot ist das Blut.
Rot-grün war damals wie heut schwarz-gelb Koalition,
und orange war zwischenzeitlich Revolution.
Und grün-blau sind deine Augen, mehr weiß ich nicht. Mehr weiß ich nicht.
Die mir meinen Atem rauben, mehr weiß ich nicht. Mehr weiß ich nicht.Doch welche, welche, welche Farben hat die Liebe?
Zwei oder mehr, die sich mischen oder irgendwas dazwischen?
Welche Farben hat die Liebe?
Um Farbe zu bekennen kannst du mir einen Farbton nennen?
Welche Farben hat die Liebe?Braun ist der Bär, Schokolade und die NPD,
schwarz-braun ist laut Volkslied die Haselnuss.
Braun-weiß sind die Vereinsfarben von St. Pauli, olé olé,
Schwarz die Nacht, der Kaffee, der Raucherfuß.
Kreidebleich der ertappte Schüler, wenn er schwänzt.
Gold ist nicht unbedingt alles was glänzt.
Und rosig sind deine Wangen, mehr weiß ich nicht. Mehr weiß ich nicht.
Bist du verlegen und befangen, mehr weiß ich nicht. Mehr weiß ich nicht.Doch welche, welche, welche Farben hat die Liebe?
Was muss man tun, was muss man lassen damit sie nicht verblassen?
Welche Farben hat die Liebe?
Welche Farbnuancen bergen Überlebenschancen?
Welche Farben hat die Liebe?Gelb ist Guido, gelb die Sonne, gelb die Banane,
das Meer schimmert türkis-blau auf Hawaii.
Blau ist das Veilchen auf der Wiese, auf der Wange,
blau ist neuerdings die Polizei.
Regenbogenfarben sind natürlich und normal
und nicht wider Gottes Willen, Herr Papst, Herr Kardinal.
Und dunkelblond sind deine Haare, mehr weiß ich nicht. Mehr weiß ich nicht.
Durch die ich dir so gerne fahre, mehr weiß ich nicht. Ich liebe dich.Doch welche, welche, welche Farben hat die Liebe?
Welchen Farbpigmenten darf man Glauben schenken?
Welche Farben hat die Liebe?
In so vielen Dingen muss die Deckkraft stimmen.
Welche Farben hat die Liebe?


Wenn ich könnt

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Wir hätten gern ein spannendes Leben mit hohen Tiefen.
Ich weiß, meine Ideen sind manchmal dumm.
Ich lebte gern am Sandstrand unter „ferner liefen“
Mit ‘ner Horde Kinder um uns rum.Ich weiß, du willst ‘nen Mann der kann nicht nur auf Händen tragen,
der richtig streiten kann und wehklagen.
‘Nen Mann zum Haare raufen, ‘nen Mann, um gemeinsam fortzulaufen
Und ‘nen grünen Garten, worauf soll’n wir noch warten?Wenn ich könnt‘, wenn ich könnt‘, wenn ich könnt‘, d.h. wenn du mich lässt.
Wenn ich könnt, wenn ich könnt‘, ich versprech, I do my very best.
Wenn ich könnt, wenn ich könnt‘, in allen Lagen und auf allen vier’n.
Wenn ich könnt, wenn ich könnt, ich würd’s so gern probier’n.Ich weiß du willst den Nahkampf und nicht das Fernduell.
Ich weiß du willst es wissen.
Ich weiß du bist genau so neugierig auf das Leben mit dem großen L.
Mmmh, dürft ich dich küssen?Glaub‘ mir, wir haben alle Trümpfe und im Kopf beisammen alle Fünfe,
ich bin nicht unschuldig, doch mächtig ungeduldig.


Schweifen meine Gedanken

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Schweifen meine Gedanken in die Zukunft dann und wann,
denk‘ ich: hätt ich mal nen Sohn, ob ich ihm zumuten kann
ihm ein Stück meines Werdegangs zu empfehl‘n,
ein bisschen in meinen Fußstapfen zu stehn
vielleicht denkt ihr, oh Graus, doch gleich ist es raus,
ich frag‘ mich sollte mein Sohn in meine alte Schule geh‘n.Meine alte Schule ist, und das klingt vielleicht hart,
nicht nur Musikgymnasium, sondern auch Internat
und eins durfte man dort nicht mitbestimmen:
jeder musste, oder viel besser, durfte mitsingen.
Es war ein Knabenchor, euch kommt das wohl spanisch vor,
doch ich weiß, er brachte mich und mein Leben zum Klingen.Internat, Schule, Chor, alles unter einem Dach
hieß damals wie heut‘ schlicht und einfach nur „Kaff“.
Und wir Schüler im Kaff war’n die Kaffler und falls
ihr wissen wollt, wo das war: in Regensburg, Oberpfalz.
Ich sang mit 12 Jahren schon, dort im klirrend kalten Dom,
im rot-weißen Gewand Sopran aus vollstem Hals.Mit 11 Jahr’n ins Internat ist an sich
nicht für jeden so leicht, freiwillig oder nicht
ich seh heut noch meinen Freund Uli aufgelöst
in Heimweh-Tränen, und wie unbeholfen ich ihn tröst‘
Da kam ich, weiß Gott, schon viel leichter aus
mit zwei großen Brüdern im selben Haus,
mein erster Brief nach Haus spricht statt von Heimwehqual
vom viel zu süßen Tee im Speisesaal.Die Zeit heilt so manches, und so waren wir Fratzen
ganz normal nur mit dem Spitznamen Domspatzen.
Sonntag Abends immer Wurstplatte, die keiner aushält,
rausgeschlichen, beim San Marino ‘ne Pizza bestellt,
und so rückte man bald vor, in den 1. Chor,
und ganz unversehns‘ besang man die Bühnen dieser Welt.Die neun Jahre vergingen mir scheint’s in größter Eile,
wir hatten alles, Höh’n und Tiefen, nur keine Langweile.
Hallenbad, Altgriechisch, Beachvolleyballsand,
Fußball und Musik, die uns alle verband.
Ach, meine Memoiren, die will ich euch ersparen,
ich will nur, dass ihr wisst, dass ich nirgends mehr solch Freunde fand.

Einer studiert in Amerika,
ich weiß nicht ist er noch dort oder wieder da?
Einer wohnt hier um die Ecke, ein andrer in Berlin,
einer in München, und einer ist schon Pfarrer in Wien.
Reiß dich zusammen, werd jetzt nicht sentimental,
sich aus den Augen verlieren ist doch längst völlig normal.
Doch haben wir heute, und da schmerzt mich die Zeit,
kaum mehr gemeinsam als die Vergangenheit.

Schweifen meine Gedanken in die Zukunft, dann und wann,
denk‘ ich: hätt‘ ich mal ‘nen Sohn, ob ich’s übers Herz bringen kann
ihn ins Kaff, an den Ort uns’rer Jugend zu bringen,
fändt‘ er Freunde wie wie ich, hätt‘ er wie ich Lust am Singen?
Ach, ich denk‘ mich, was soll’s, weg mit dem Vaterstolz,
er soll glücklich sein vor allen Dingen.
Da fällt mir ‘ne Kleinigkeit ein, ich merk‘ grad
dass meine Frau wohl auch ein Wörtchen mitreden mag.
Die sagt: „Hey du Dickschädel, es wird kein Bub, sondern ’n Mädel,
und selbst wenn, der bleibt hier, du träumst wohl am helllichten Tag!“
Womit sie wohl Recht haben mag.


Lothar

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Manche sagen, du seist arrogant,
doch Diego spielt den Ball mit Gottes Hand.
Du redest deinen Mund gern fransig,
deine Frau‘n sind selten über zwanzig.
Du bist in allen Klatschzeitungskolumnen,
statt in unsrer Bundesliga, sag‘ warum denn?
Gibt’s da gegen dich eine Verschwörung, einen Komplott?
Ich brauch‘ dich Lothar, von mir aus auch als Platzwart von Rostock.
Lothar, ach Lothar, du bist und bleibst für mich ein Weltstar,
ein Titan, wie Oli Kahn, nicht so zahm wie Philipp Lahm.
Doch Lothar, als Trainer kommst du nicht ins unsre Liga,
sag warum muss man zu dir so weit fahren
zum Nationalteam der Bulgaren?
Bist du am Samstag auf der Wohlfahrt
liest sie das in der Bild am Sonntag.
Du jobbst nebenbei bei Al Djasira
quite frankly bad as English teacher.

Ein Lothar will ernst genommen werden.
Er war doch mal der beste hier auf Erden.
Er kennt sich aus, er ist mal nett und auch mal zänkisch,
ich weiß er kommt zurück, denn wer zuletzt lacht, der lacht fränkisch.

Lothar, ach Lothar, du bist und bleibst für mich ein Weltstar,
international und im Pokal nur 1. Wahl, so war das früher mal.
Doch Lothar, als Trainer meidet dich die Bundesliga,
warum kriegst du hierzulande keinen Vertrag,
sondern nur bei Partizan Belgrad?

Früher hat’s doch auch irgendwie geklappt.
Hast du heut nur Pech, früher nur Glück gehabt?
Es liegt wohl mit großer Sicherheit
nicht an mangelnder Medienwirksamkeit.

Du merkst ja selbst, es ist schon auffällig zu sehen:
Du bist Trainer dort, wo dich die Leute nicht verstehen.
Drum glaub ich, auch als Trainer könntest du hier schalten und walten,
vorausgesetzt du würdest einmal deine Klappe halten.

Lothar, ach Lothar, du warst einmal ein Weltstar.
Jetzt nicht mehr, du fragst: warum? Ich weiß den Grund – du hältst nie den Mund.
Denn du reißt die Klappe auf, und da kommt nun mal nur Scheiße raus.
Mit ‘nem Maulkorb bei den Bayern
könntest du Pokale feiern.
Ja, ich verwette Herz und Nieren,
du könntest jedes Team trainieren.
Doch sei so ruhig wie Andy Köpke,
mal mit Schweigegelöbde.
Mal ohne Egolobeshymnen,
mal ohne Bildzeitungskolümnen.
Ja, mach‘n Feuer wie ein Kienspan,
mach‘n Märchen wie ein Klinsmann.
Doch mach’n regen Bogen um die Presse
und versprich‘ mir, halt die Fresse.


Zeiten

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Ich fahr‘ an einem schönen Tag durch die Sonne mit dem Rad.
Da riech‘ ich was, kenn‘ ich doch, was ist das nur?
Nach ‘nem kurzen Moment merk‘ ich, das riecht doch eindeutig
nach ‘ner Kinderschokoladenüberraschungseifigur.Ich komm‘ nach Haus‘ und sage: „Schatz,
heut‘ Abend hätt‘ ich gern statt einem Bier
eine Kinderschokoladenüberraschungseifigur von dir.
Oh, wie gern hätt‘ ich eine Kinderschokoladenüberraschungseifigur von dir.“Ich fahr‘ an einem schönen Tag durch den Park mit meinem Rad.
Da riech‘ ich was, ich dacht‘ die Zeiten wär’n vorbei.
In jener Tage Unterholz in meiner Hosentasche schmolz
ein Kinderschokoladenüberraschungsei.Ich komm‘ nach Haus‘ und sage: „Schatz,
heut‘ Abend hätt‘ ich gern statt Kartoffelbrei
eine Kinderschokoladenüberraschungsei.
Oh, wie gern hätt‘ ich von dir ein Kinderschokoladenüberraschungsei.“Ich fahr‘ an einem schönen Tag durch die Park mit meinem Rad.
Da riech‘ ich was, worauf ich in Erinnerung bade.
So roch’s bei Oma früher mal im Bäckereiregal,
nach Kinderschokolade.Ich komm‘ nach Haus‘ und sage: „Schatz,
heut‘ Abend hätt‘ ich gern statt Rinderroulade
‘ne Kinderschokolade.
Oh, wie gern hätt‘ ich von dir ‘ne Kinderschokolade.“

Ich bin an einem schönen Tag durch den Wind auf meinem Rad.
Der Wind verweht Vergang’nes und die Zukunft beginnt.
Das riecht nach einem Trend, der kein Ende kennt,
das riecht nach einem Kind.

Ich komm‘ nach Haus‘ und sage: „Schatz,
viel lieber noch als Mousse au chocolat mit Zimt
hätt‘ ich von dir ein Kind.
Oh, wie gern hätt‘ ich von dir ein Kind.

Du nimmst mich in den Arm und sagst: „Hör‘ zu, du kriegst jetzt erst mal nur
eine Kinderschokoladenüberraschungseifigur.“


Idol

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Ich hab gehört, Menschen brauchen Idole.
Egal woher, auch wenn ich eins vom Himmel holte.
Es gibt da einen, der steht immer wieder auf,
trotzt allen Widrigkeiten und nimmt seinen Lauf.
Er stellt sich ungern in den Mittelpunkt,
er weiß beständig läuft es irgendwie schon rund.Mach’s einfach wie der Mond.Er kennt sie alle, er kennt die Sonnen- und die Schattenseiten,
er weiß, ihm unterliegen die Gezeiten.
Er lässt so schnell nichts an sich ran, ganz ohne wenn und aber
Mal abgesehen von der Landung der Amerikaner.
Er hat in seinem Leben auch schon voll was abgekriegt,
davon zeugt ja wohl die Narbe, der Krater in seinem Gesicht.
Behält den Überblick, lässt Fünfe grade sein,
selbstbewusst, ganz wie ein Urgestein.Er leuchtet still auch in finstrer Nacht.
Nicht wie die Sonne, die brennt oder nur laut lacht.
Wenn sich alle nur an einem Strahlemann orientieren,
steckt er das weg, er weiß, er kann reflektieren.
Wenn andre höher steh‘n, heller leuchten, man sie besser sieht,
jedes Kind weiß, dass er weiter seine Bahnen zieht.
Er ist wie du, grad richtig, rundum schön
auch wenn das Menschenaugen oftmals überseh’n.


Wart’s ab

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Manchmal erhärtet sich so mancher Verdacht,
es geschah per Zufall, grade eben.
Als sei ich aus einem Immunschlaf erwacht,
das erste Mal in meinem Leben.
Ich glotze ungläubig, denn ich hab ungelogen,
ich wünscht‘ ich hätt’s schon überwunden,
an meinem rechten inneren Ellenbogen
eine kleine Warze gefunden.
Ich sag’s euch gleich, ich hab‘ keine Erfahrung
mit Warzen, mit oder ohne Behaarung.
Muss man sie ausführ’n, und brauchen sie Pflege?
Das sind so Sachen, die ich überlege.
Feiert man ihren Geburtstag? Haben sie ein Lieblingsessen?
Sind sie gleich sauer, wenn Männer sie mal vergessen?
Behandelt man sie mit der Flamme von Kerzen?
Ist es ernst? Oder kann man mit Warzen auch scherzen?
Doch bin ich am überlegen, ich hätt‘ nichts dagegen
Ohne dieses Wahrzeichen zu leben.
Denn zu was sind sie gut? Die Antwort kommt jäh:
Die Warze kann singen, und sie singt den Refrain:Hey du, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
weißt du denn nicht, dich trifft keine Schuld.
Oh, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
alles was du jetzt brauchst ist Geduld.Sag‘ mal, spinn‘ ich, oder hat die Warze grad‘ gesprochen?
Oder hat sie am Ende gesungen?
Ich besah‘ sie genau, ich hab‘ an ihr gerochen,
und habe dann mit mir gerungen:
Ist es schlimm, oder ok, immerhin ‘ne Erfahrung?
Ansteckend, harmlos, ekelig?
Ist es das Ende, der Anfang, oder eine Offenbarung?
Oder verbrennt man mich als Hexerich?
Und ich denk‘ mir, so ein Hexenkessel, der wär‘
je nachdem, wie viel Menschen darin sind, sehr schwer.
Ich stell‘ mir z.B. das Dortmunder Westfalenstadion vor,
nach 11 Chancen schöss‘ ich ein bildhübsches Tor.
Das war der Siegtreffer, und ich werd‘ umringt
vom Publikum, das kräftig feiert und singt,
da fragt mich grinsend Trainer Jürgen Klopp:
„Sag, freust du dich trotz Warze?“ Und ich sag: „Und ob!“
Doch nächste Saison sitz‘ ich nur auf der Bank,
verflucht sei der Trainer, verflucht sein Undank,
Fast schmeiß‘ ich hin, fast hab‘ ich genug,
da hör‘ ich, da singt doch wer, unterm Trainingsanzug:Hey du, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
manchmal da spielt das Leben nicht mit.
Oh, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
Wart nur, bald holt auch dich Real Madrid.Eurer Mimik zu urteil’n, meint ihr, das wär‘n Flausen,
alle Angaben ohne Gewähr.
Doch ich schwöre mein Name ist nicht Münchhausen,
denn exakt genauso war’s ungefähr.
Die Moral der Geschicht‘: ich hab‘ Frieden geschlossen
mit der Warze, die singt und sich sonnt.
sie zählt zu meinen Krisenmanagerbossen
erweitert meinen Erwarzungshorizont.
Mittlerweile nehm‘ ich sie fast überall mit,
bei ‘nem Rendevous war‘n wir neulich zu dritt.
Sie bestellt eine Rinderfiletmousse beim Kellner
Ich lass sie gewähren, denn zahl’n muss sie selber.
Doch allmählich wurde ihr Angst und Bange,
als ich mit meiner Freundin lautstarken Streit anfange.
Was heißt ich? Nein, du! Was, ich? Typisch! Kein Wunder!
Derweil verdrückt sich die Warze tief in meinen Pollunder.
Es fliegen die Fetzen, ich versteh‘ mein Mädel nicht mehr,
sie rennt raus, ich schau‘ nicht hinterher.
doch tröstet mich und meine Lethargie
unter meinem Ärmel eine Melodie:Hey du, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
weißt du denn nicht, Liebe ist aus Glück.
Oh, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
Bald schon, da kommt sie zu dir zurück.

Hey du, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
manches fällt schwer, und manches fällt in den Schoß.
Oh, wart’s ab, wart’s ab, wart’s ab, mein Freund,
warte, bald bist du mich wieder los.


Kopfmensch

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Glaubst du den weichen Knie’n würdest du nur rückwärts zieh’n.
Oder einfach nur Brust raus, teilst du Ellenbogen aus?
Immer grad aus, der Nase nach, die Wege abseits lägen brach,
für die Ohren unerhört, wenn deinen Bauch die Richtung stört.
Wenn deinen Bauch die Richtung stört.Kopfmensch beweg‘ dein Herz zum Hirn.
Kopfmensch, was hast du zu verlieren?
Kopfmensch, sag mal hörst du mich?
Kopfmensch, Kopfmensch, lass dein Herz doch nicht im Stich.Auf dem Kopf die Haare steh‘n zu Berge, weil sie seh‘n
dass die Schultern bleischwer nur sich hängen lassen stur.
Unter den Nägeln brennt es schon, sie setzen alles unter Strom.
Doch die Schultern zucken und du fragst dich ist das noch gesund.
Ist das noch gesund?Kopfmensch beweg‘ dein Herz zum Hirn.
Kopfmensch, was hast du zu verlieren?
Kopfmensch, sag mal merkst du nichts?
Kopfmensch, Kopfmensch, lass dein Herz doch nicht im Stich.Es stehen Herz und Hand manchmal gegen den Verstand.
Du bist der in deiner Haut, der sich nur nicht traut.
Klotz am Bein, inneres Gewühl, Fingerspitzengefühl?
Was dich in der Seele sticht merkt dein Kopf dort oben nicht.
Merkt dein Kopf dort oben nicht.Kopfmensch beweg‘ dein Herz zum Hirn.
Kopfmensch, was hast du zu verlieren?
Kopfmensch, zeig‘ mir dein Gesicht.
Kopfmensch, Kopfmensch, lass dein Herz doch nicht im Stich.